Yerba Mate: Mehr als nur ein Muntermacher – Ein südamerikanisches Ritual für Körper und Geist

Dass der Konsum von Yerba Mate überwiegend positive Einflüsse auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden hat, ist längst kein Geheimnis mehr und hat sich von Südamerika bis nach Europa herumgesprochen. Viele schätzen Mate als bekömmlichen Muntermacher, der sowohl die geistige als auch die sportliche Leistungsfähigkeit auf sanfte Weise fördert.

Yerba Mate enthält Koffein, Theobromin und Theophyllin – drei anregende Substanzen. Studien haben gezeigt, dass der Konsum die Konzentration verbessern, die Ermüdung reduzieren und die sportliche Leistung steigern kann.

Doch das grüne Gold Südamerikas kann noch mehr. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Yerba Mate auch eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von Darmerkrankungen spielen könnte – ein Aspekt, der vielen noch unbekannt ist.

Yerba Mate ist reich an Polyphenolen und Saponinen, die entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften besitzen. Diese Inhaltsstoffe können zur Gesundheit des Magen-Darm-Trakts beitragen.

Es gibt also zahlreiche gute Gründe, sich öfter ein Tässchen Mate-Tee oder – ganz traditionell – einen mit Yerba gefüllten Mate-Becher (Kalebasse) zu gönnen. Genau das tue ich, während ich diese Zeilen schreibe.

Ein Ritual der Achtsamkeit und Gemeinschaft

Den warmen Mate-Becher in der Hand zu halten und durch die Bombilla, das traditionelle Trinkrohr, den herben Aufguss zu genießen, hat für mich einen fast meditativen Charakter. Jeder Schluck zwingt einen förmlich zum Innehalten und schenkt einen kleinen Moment der Achtsamkeit im oft hektischen Alltag.

Doch Mate ist mehr als nur ein persönliches Ritual. In traditionellen Mate-Ländern wie Uruguay und Argentinien entfaltet er seine volle Kraft als soziales Bindemittel. Den Becher mit Familie, Freunden oder Arbeitskollegen in geselliger Runde zu teilen, stiftet Gemeinschaft. Man könnte fast das Bild einer Runde mit einer umhergehenden Friedenspfeife vor Augen haben – ein Symbol für Austausch und Zusammenhalt.

Die Regeln der Mate-Runde

Wie bei jeder gemeinsamen Zeremonie gibt es auch hier ein paar ungeschriebene Gesetze. Einer aus der Runde, der Cebador, ist für die Zubereitung und das Servieren zuständig. Der erste Aufguss – meist der stärkste und bitterste – gebührt traditionell dem Cebador. Je nach Temperament wird dieser erste Schluck entweder dezent ausgespuckt oder mit gespielter Gelassenheit hinuntergeschluckt.

Anschließend füllt der Cebador die Kalebasse erneut mit heißem Wasser (idealerweise zwischen 60 und 70 Grad Celsius) aus einer Thermoskanne auf und reicht sie an die nächste Person in der Runde weiter, meist gegen den Uhrzeigersinn. So wandert der Becher von Hand zu Hand und wird nach jedem Trinken vom Cebador frisch aufgefüllt, bis die Runde von vorn beginnt.

Natürlich dürfen bei einer solchen Zeremonie Frotzeleien und Neckereien nicht fehlen. Ich erinnere mich gut an einen Onkel in Montevideo, der mir (damals noch einem Mate Novizen) vor vielen Jahren als Cebador mit einem unschuldigen Lächeln den frisch aufgefüllten Becher als Ersten in der Runde reichte. Mit einem zweiten, diesmal nicht mehr ganz so unschuldigen Lächeln beobachtete er meinen kläglichen Versuch, den Schmerz des viel zu heißen Wassers zu verbergen. Der Spott über meine angebliche Verweichlichung ließ nicht lange auf sich warten. Mein erster Impuls, ihm den heißen Inhalt über den Kopf zu schütten sollte hier ehrlicherweise nicht unerwähnt bleiben 😉. Doch nach solchen kleinen Prüfungen geht es in der Mate-Runde immer friedlich und harmonisch weiter.

Ein kleiner Tipp am Rande: Man sollte sich nicht allzu lange Zeit lassen, den Mate auszutrinken. Sonst wird man vom Cebador oder der Runde schnell mit einem Augenzwinkern ermahnt, den armen Mate-Becher nicht mit allzu tiefgründigen Geschichten zu langweilen.

Ja, so sind die Uruguayer – manchmal ein wenig rau, aber erwiesenermaßen sehr herzlich.

 

Die gesundheitlichen Vorteile im wissenschaftlichen Licht

Um die eingangs erwähnten Gesundheitsaspekte zu untermauern, hier einige Verlinkungen zu wissenschaftlichen Studien:

o            Studie zur kognitiven Leistung: Eine Untersuchung über die akuten Auswirkungen von Yerba Mate auf die Stimmung und kognitive Funktionen (in Englisch)

o            Studie zur sportlichen Leistung: Eine Studie über die Wirkung von Yerba Mate auf den Fettstoffwechsel und die Leistungsfähigkeit bei Ausdauersport (in Englisch)

o            Studie zur entzündungshemmenden Wirkung im Darm: Forschung zur schützenden Wirkung von Yerba Mate bei Darmentzündungen (in Englisch)

o            Studie zum Einfluss auf die Darmflora: Eine Übersichtsarbeit, die unter anderem den positiven Einfluss auf das Mikrobiom diskutiert (in Englisch)

Zurück zum Blog

Hinterlasse einen Kommentar